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Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

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Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon noodeling » Do 14. Feb 2013, 22:05

Eine Racheaktion?
Davon bin ich nicht 100% überzeugt.
Wenn, dann war das eine sehr merkwürdige Aktion.
Man stelle sich vor:
Ein Täter will Rache, nimmt aber keine Waffe mit, lockt (?) die Opfer an, wartet, bis die Opfer einzeln im Abstand von Minuten in die Scheune eintreten, um sie dann abgebrüht zu erschlagen. Dazu gehört eine große Portion Ruhe und Berechnung, sprich emotionale Beherrschung.
Andererseits kann man anhand der Art und Weise der Verletzungen fast schon von einer "emotionalen Übertötung" sprechen.
Das passt in meinen Augen nicht zusammen.
noodeling
 

Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon elfeee » Do 14. Feb 2013, 22:42

@noodeling

man kann es auch anders sehen.

1. Der Täter kommt in den Nachbarhof, da kennt er sich schon aus, das ist unschwer aus der ersten Verhörung rauszulesen.
Ein Landwirt kennt sich mit den Arbeitsgeräten aus, sei es seines oder das des anderen, das ist egal.
Er wartet im Stadel oder Stall auf sein erstes Opfer, es gibt Streit, er würgt und nimmt das bäuerliche Instument um sein vielleicht schon vom würgen bewustloses Opfer zu erschlagen.L

2. Er versteckt sich, um die weiteren Bewohner nach dem gleichen Muster zu erledigen.
Er musste ja nur warten, bis einer durch die schmale
Stalltür in den Stadel ging und dann hatte der andere keine Chance mehr.

3. Er hatte das Glück, das einer nach dem anderen kam, nur die kleine Cilli lief dazwischen.

4. Den Hund hat er im Vorfeld schon bewustlos geschlagen, er hat ihn erkannt und deßhalb nicht gebellt, vielleicht bekam er ja vorher eine Wurst von ihm. Es ist ja erwiesen, das er eine Verletzung hatte.

5. er hat die Ankunft der Magd mitbekommen und nun hieß es handeln, bevor sich die Magd noch richtig in dem Haus ausgekannt hat.

6. er ließ das ganze Goldgeld zurück, weil er sich dafür zu stolz war und weil er das ganze als von "Gott gewollt" gesehen hat

7. er hat sein Mordwerkzeug im Fehlboden versteckt

8. er hat das Mordwerkzeug als seines indentifiziert als es gefunden wurde, damit man ihm keine Fingerabdrücke nachweisen konnte, im Fall einess Falles. Denn das gab es ja damals schon.

9. und das hätte ich bald vergessen:
Das Kind des L.S. wurde am Mittwoch vor den Morden beerdigt und nun soll er Allimente für den Sepperl zahlen, da wird die Familie, insbesondere der ältere Sohn nicht mitgespielt haben, da wird es Knatsch in der Familie gegeben haben.
Und dieser wäre auch ein Anlass zu dieser Tat gewesen.

Es waren nicht nur Emotionen im Spiel, sondern auch Streitigkeiten wegen der ganzen Sache in der Mörderfamilie allgemein.
Und da sehe ich einen gewaltigen Anlass zu der Tat.

... und und und, ich könnte noch eine ganze Liste hier anfügen
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elfeee
 
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Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon noodeling » So 17. Feb 2013, 23:07

Hallo elfeee,

eine sehr genaue Vorstellung des möglichen Tatablaufs. Respekt. :shakehand:

Hier meine Anmerkungen bzw. die Ungereimtheiten, die ich in Bezug auf
den Widerspruch zwischen emotionaler Rache und Kaltblütigkeit sehe.


Zu 1)
Wie der/die Täter in den in den Gebäudekomplex (Haus/Stall/Scheune/Anbauten)
gelangt sind, ist bis heute ungeklärt. Eine den HKlern bekannte Person hätte auch einfach klopfen können. Auch ein Einbruch ist denkbar. Dann wird eine (beide?) der Frauen gewürgt. Das deutet auf eine emotionale Beziehung, Erregtheit und eben auf keine Tatwaffe hin. Einen Plan kann man bis hier nicht erkennen.
Nun liegt die Frau bewusstlos auf dem Boden. Da zu diesem Zeitpunkt auch noch kein
Blut geflossen ist, Gewürgte können bekanntlich nicht laut schreien, könnte der Tatort auch z.B. im Stall, im Vorraum, ja sogar in der Küche gelegen haben. (Vater und Kinder bereits im Bett, neue Magd im Zimmer).

Zu 2) Jetzt kommt die Tatwaffe, die Scheune und überlegtes Handeln ins Spiel.
Der/die Täter, der eben noch unter großer Anspannung eine Frau gewürgt hat,
flieht nicht angesichts der Tat, sondern schaltet innerlich um.
Er sucht und findet die Haue und schlägt entweder erneut x-fach auf die bewusstlose Frau ein oder wartet kaltblütig auf die weiteren Hausbewohner in der Scheune, um das später nachzuholen. Beides schwer vorstellbar.

Mein Fazit.
Wenn es Gesetzmäßigkeiten bei solchen Gewaltexzessen gibt, dann die, dass sie nicht aus heiterem Himmel entstehen. Bis es zu einem derartigen Gewaltausbruch kommt, hat der Täter
bereits viele andere Gewalttaten begangen. Schlägereien, Körperverletzungen, Vergewaltigungen etc. Zudem muss man den Anblick von schwer verletzten, sterbenden Menschen und Toten ohne mit der Wimper zu zucken ertragen können. Daher spricht das reibungslos abgewickelte Massaker eher für "Profis" oder "Fanatiker" und nicht für "Gelegenheitstäter".
noodeling
 

Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon Radar » So 17. Feb 2013, 23:54

noodeling,

bei Deiner Betrachtungsweise gehst Du doch extrem eindimensional vor.

Dein reibungslos abgewickeltes Massaker, könne nur vor „Profis” durchgeführt worden sein, ist ein mögliches Fazit.

Ob es denn reibungslos lief oder das Massaker reibungslos abgewickelt wurde, ist in meiner Vorstellung völlig nebensächlich.

In meinen Augen lief es nicht reibungslos, bei sechs erschlagenen Einwohnern von Gröbern.



Ich kann Dir solange folgen bis der Täter die erste Person würgte und diese bewusstlos zu Boden sank.
Jetzt tritt die Alte auf den Plan, die das beobachtet hat. Bewaffnet mit der Haue.

Die Wut kocht bei dem würgenden Nichtprofi über, er entreißt der Ollen die Haue und macht erst einmal die zwei Weibsbilder kalt. Puhhh!
Jetzt dämmert es ihm, dass er jetzt auch „B” sagen muss.

Das muss deshalb kein Profi sein. Höchstens ein Kriegsteilnehmer. O.K.
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Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon Brandner » Mo 18. Feb 2013, 05:11

Naja, es gibt genügend Beispiele wo Bekannte/ Verwandte eine ganze Familie aus Rache auslöschten und die gingen durchaus planvoll vor. Diese Pläne waren meist simpel und nicht ausgefeilt, einige davon sind im Mitgliederbereich aufgelistet. In groben Zügen war die Tat meiner Meinung schon geplant, @Elfeee hat das sehr gut dargestellt. Die Haue war sicher nicht explizit ausgesucht, auf einen Bauernhof findet man immer etwas das man als Waffe benutzen konnte, die Schmaderer Bande hat das auch so gehalten, die nahmen keine Waffen mit sondern nahmen was sie am Hof fanden.
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Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon Montecuccoli » Mo 18. Feb 2013, 12:17

Radar hat geschrieben:... Höchstens ein Kriegsteilnehmer. O.K.

Das muß er nach meiner Meinung nicht unbedingt gewesen sein. Früher wurde meist Hausschlachtung praktiziert. Wuchtiger Schlag mit einer schweren Axt etc. auf den Schädel des Schweines, oder des Rindes. Diese fielen um und dann kam das Schlachtmesser. Man war also vertraut und schon etwas abgebrüht mit solchem Vorgehen, da mußte man nicht unbedingt Grabenkämpfer oder Sturm-, Stoßtruppler gewesen sein. Sicher ist da noch eine Hemmschwelle bei Menschen, aber wir wissen nicht, was sich da für Haß aufgestaut hatte bzw. was schon vorher in dieser Richtung geistig durchexerziert wurde.
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Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon Brandner » Mo 18. Feb 2013, 12:25

Zumindest war der Täter geübt im Umgang mit der Reuthaue, das weist nicht auf einen Kriegsteilnehmer hin.
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Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon elfeee » Di 19. Feb 2013, 22:29

Zumindest war der Täter geübt im Umgang mit der Reuthaue, das weist nicht auf einen Kriegsteilnehmer hin


Das kann beides sein, ein Bauer, der ein Kriegsteilnehmer war, kann immer noch mit der Reuthaue umgehen, wie er es immer gemacht hat. Das Bauernleben, welches er von Kindheit an erlernt hat, übersteigt die paar Kriegsjahre, darum wird er immer wieder zu seinen vertrauten Waffen zurückgreifen.
Wie viele Schlachttiere musste er schon in seinem Leben mit diesen Hieben bewusstlos schlagen, um das Leben auf seinem Hof zu sichern ?
Wieviele Menschen musste er im Krieg töten, was er gar nicht wollte ?

Also ist dem Bauern der Umgang mit der Reuthaue viel lieber, weil das sein Werkzeug war.

Es kann schon auch eine Rolle gespielt haben, das er im Krieg so viele Tote und hingemezelte gesehen hat, das könnte aus der Erfahrung im Krieg auch eine Rolle gespielt haben, eine Art Hemmschwelle.
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Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon Brandner » Mi 20. Feb 2013, 13:26

Sicher kann es sein, kann aber auch nicht sein. Es gibt aber Untersuchungen nach denen Kriegsteilnehmer nach einen Krieg nicht übermäßig an Gewalttaten beteiligt waren.Ausserdem war der Krieg schon 4 Jahre vorbei und es ist nicht so das nur ehemalige Kriegsteilnehmer Verbrechen verübt haben.
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Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon elfeee » Mi 20. Feb 2013, 20:34

@Brandner,

Ausserdem war der Krieg schon 4 Jahre vorbei und es ist nicht so das nur ehemalige Kriegsteilnehmer Verbrechen verübt haben


Da gebe ich Dir ganz recht, mein Schwiegervater z.B. wollte vom Krieg gar nichts mehr wissen, er hat jeden Film, der irgend etwas mit dem Krieg zu tun hatte, ausgeschaltet. Der hat das ganze nicht verarbeiten können.
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Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon holzerbräu » Fr 8. Mär 2013, 12:42

Die Logik, 1922 existierten in Bayern Waffenlager, also könnte in Hinterkaifeck auch ein solches bestanden haben und mit dem Verbrechen in direktem Zusammenhang stehen, kann nicht der seriösen Aufarbeitung des Mordfalls dienen.
Genau so verhält es sich mit der zeitlichen Nähe des Verbrechens zum 1.WK. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass der Täter von Hinterkaifeck auch ein Kriegsteilnehmer war. Aber das Tatgeschehen in einen unmittelbaren Zusammenhang mit einem sog. "Kriegstrauma" des Täters zu stellen, ist sehr vermessen.
Die Auswahl der Mordwaffe, genauer, die stumpfe Seite der Haue, deutet mehr auf die Betäubungspraxis bei der damals noch sehr verbreiteten Hausschlachtung hin, als auf soldatische´Klappspaten-Kampftechniken´ o.ä.

Der Umstand, dass im Mordfall Hinterkaifeck bis heute kein Täter überführt werden konnte, stellt für mich keinen hinreichenden Grund dar, den kriminalistischen ´Königsweg´, der nur über Analogien und Wahrscheinlichkeiten führen kann, zu verlassen.
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Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon Montecuccoli » Di 12. Mär 2013, 16:54

holzerbräu hat geschrieben:...
Genau so verhält es sich mit der zeitlichen Nähe des Verbrechens zum 1.WK. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass der Täter von Hinterkaifeck auch ein Kriegsteilnehmer war. Aber das Tatgeschehen in einen unmittelbaren Zusammenhang mit einem sog. "Kriegstrauma" des Täters zu stellen, ist sehr vermessen.
Die Auswahl der Mordwaffe, genauer, die stumpfe Seite der Haue, deutet mehr auf die Betäubungspraxis bei der damals noch sehr verbreiteten Hausschlachtung hin, als auf soldatische´Klappspaten-Kampftechniken´ o.ä. ...

So sehe ich das auch. Wenn der Täter Kriegserfahrung hatte, dann höchstens in der Feldküche als Schlachter, da kann man ein Kriegstrauma schon vorwegs ausschließen, denn er saß weitab vom Schuß und an der Quelle. Ein Sturmsoldat nutze lieber Handgranaten, Grabendolch, selbsgebastelte handliche Totschläger, K98, leichte und schwere MGs, Flammenwerfer etc.
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Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon elfeee » Di 12. Mär 2013, 21:23

@holzerbräu
@montecuccoli

Da stimme ich Euch beiden bedingunslos zu.
Der Täter kann zwar Kriegsteilnehmer gewesen sein, aber die Ausführung der Tat deutet auf bäuerliche Handwerksweise hin.
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Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon Brandner » Mi 13. Mär 2013, 15:55

Wenn es ein religiöser Fanatiker gewesen wäre hätte der irgendeine "Visitenkarte " hinterlassen oder irgendwo damit geprahlt. Der Täter hätte keinen Grund gehabt die Cilli zu töten, diese Vaterschaft stand ja nicht ernsthaft in Zweifel. Auch die Magd hat mit einen Inzest nichts zu tun.
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Re: Der Täter - Ein religiöser Fanatiker? Ein Psychopath?

Beitragvon pilvax » Fr 15. Mär 2013, 12:13

Religiösen Fanatismus als Motiv für die Morde in Hinterkaifeck halte ich für ausgeschlossen.
Ein Psychopath im gewissen Sinne eher, denn wer macht eigentlich so was ?

Allerdings könnte es gut sein, dass nach der Tat die religiösen Sprüche als eine Art vorbeugende Schutzbehauptungen für den Fall der Fälle herangezogen wurden.
Die Bibelsprüche im Fall Hinterkaifeck sollten ganz offensichtlich die schwere der vorhergegangenen Tat verniedlichen und sind auch als Selbstverteidigung auszulegen.

Aber wovor sollte sich ein unbescholtener Bürger verteidigen…….? :mrgreen:

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