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Ehe und Sexualität Anfang 1900

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Re: Ehe und Sexulaität Anfang 1900

Beitragvon AngRa » Mi 27. Jul 2011, 09:56

@Hauser

Das ist ein interessantes Video zum Thema Strafbarkeit des Inzests zwischen Vater und Tochter, wenn beide erwachsen sind. Auf das Für und Wider wird ausführlich hingewiesen.

Im 19. Jahrhundert war ein derartiger Inzest über lange Jahrzehnte nicht strafbar. Dann erst so um 1870 herum wurde Blutschande strafbar. Überwiegend wird auch 1915 Inzest nicht als strafwürdiges Verhalten angesehen worden sein und eine Anzeige kann man auf jeden Fall als Racheakt werten, wo die moralische Entrüstung nur vorgeschoben worden ist.

Interessant ist auch die Feststellung, dass 30 % der Inzestkinder Erbkrankheiten haben. Zahlen habe ich darüber noch nie gehört. Aus meiner Familie ist mir bekannt, dass Krankheiten auch bei Kindern auftreten, die aus einer Verbindung von Cousin und Cousine stammen. Im Film wurde auf die Möglichkeit einer Taubheit und einer Sehschwäche hingewiesen. Genau diese Krankheiten hat die Tochter meines Cousins seit ihrer Geburt.
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Re: Ehe und Sexulaität Anfang 1900

Beitragvon Hauser » Mi 27. Jul 2011, 16:29

@AngRa

Der Schandfleck

Großbauer Josef Reindorfer hat drei erwachsene Kinder. Während ihm die beiden älteren ständig Sorgen bereiten, ist Leni, die jüngste, warmherzig und freundlich. Trotzdem behandelt der Vater gerade sie herzlos und schroff. Als sie sich in den Müllersohn Florian verliebt, stellt sich heraus, dass er ihr Halbbruder ist. Erschüttert über ihre wahre Herkunft verlässt sie ihr Zuhause. Kann sie, der “Schandfleck”, eine neue Liebe finden?

Das Thema befasste die Gemüter schon 1877, das mit den Erbkrankheiten sollte man nicht so auf die leichte Schulter nehmen.
Ob ein oftmaliges Fehlen in der Schule auf eine Erbkrankheit schließen lässt bezweifle ich, es kann auch an einer schlechten Pflege des Kindes liegen, dafür haben wir Beispiele in Kindheit 1850 - 1920.
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Re: Ehe und Sexulaität Anfang 1900

Beitragvon AngRa » Mi 27. Jul 2011, 18:39

Hauser

das Bundesverfassungsgericht, unser höchstes Gericht hatte unlängst ( vor weit über einem Jahr, wir denken halt in historischen Zeiträumen :lol: ) darüber zu entscheiden, ob Inzest zwischen Eltern und Kinder und Geschwistern strafbar bleiben soll.

Das Bundesverfassungsgericht hat das bejaht wegen der sexuellen Selbstbestimmung der Kinder, die gefährdet ist, wenn Geschlechtsverkehr zwischen Eltern und Kindern erlaubt ist und vor allem auch wegen der Erbkrankheiten.

Eine persönliche Bemerkung sei mir gestattet, ich finde es absolut krank, wenn man sich sexuell zum Vater oder zu den Kindern hingezogen fühlt.Wie kann es so etwas überhaupt geben?


Ist aber nur meine persönliche Meinung.
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Re: Ehe und Sexulaität Anfang 1900

Beitragvon AngRa » Mi 27. Jul 2011, 19:16

Sehr interessant ist, was einige unserer Politiker (der Grünen) so zum Thema Abschaffung des Sexualstrafrechts und somit auch zum Thema Abschaffung des Inzestparagrafens so meinen.



http://de.wikipedia.org/wiki/Debatte_um ... r.C3.BCnen

Der deutsch-französische Politiker Daniel Cohn-Bendit veröffentlichte im Jahre 1975 das Buch Le Grand Bazar bzw. Der große Basar, das vor allem Gespräche mit Michel Lévy, Jean-Marc Salmon und Maren Sell enthält. Darin schreibt er unter anderem in Kapitel 9 mit dem Titel „Little Big Men“ acht Seiten lang von seiner Zeit als Erzieher in einem Frankfurter Kinderladen. Dieser Teil wurde auch in der Zeitschrift „das da“ von Klaus Rainer Röhl abgedruckt.[7] Er erzählt, dass sein Flirt mit den Kindern „erotische Züge“ annahm. Später, dass Kinder seinen Hosenlatz geöffnet hätten, wobei er unterschiedlich reagiert hätte. Der Wunsch der Kinder hätte ihn vor Probleme gestellt, er habe sie gefragt, warum sie das nicht untereinander spielen würden. Bei ausdrücklichem Wunsch habe er zurückgestreichelt.
____________________________

Naja, ein Flirt mit einem Kind ist wohl sehr aufschlussreich. Wie kann es so etwas geben?

Alles in allem ist die Position der Grünen dann aber unklar geblieben, da im Nachhinein wohl situationsbedingt korrigiert.

Das ist aber nur meine persönliche Meinung.

Alles ist irgendwie verstörend und auch 1915 hat man bestimmte Sexualstraftaten wohl nicht als besonders strafwürdig angesehen.

Darauf kommt es hier bei uns ja eigentlich an.
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Re: Ehe und Sexulaität Anfang 1900

Beitragvon Brandner » Mi 27. Jul 2011, 19:27

Ich finde so eine Einstellung problematisch. Die Grenze zum sexuellen Missbrauch ist da schon nahe.- Besonders als Erzieher sollte da man den nötigen Abstand wahren. Die Ausrede, das Kind habe es ja gewollt kommt dann schnell.
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Re: Ehe und Sexulaität Anfang 1900

Beitragvon elfeee » Mi 27. Jul 2011, 20:32

Für mich ist das ein absoluter Fehlentschluss.
Haben die nichts anderes zu tun ? :brettvormkopf: :brettvormkopf:
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Re: Ehe und Sexulaität Anfang 1900

Beitragvon Brandner » Mi 27. Jul 2011, 21:33

Anscheinend nicht. Kinder gehören schon geschützt.

Bei Erwachsenen finde ich es auch problematisch. Meist fängt der Inzest ja in Jugendjahren an. Man sieht ja auch bei der Viktoria das sich dabei keine gesunde Sexualität entwicken kann.
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Re: Ehe und Sexulaität Anfang 1900

Beitragvon Apropos » Do 28. Jul 2011, 06:17

Das Zauberwort in der ganzen Debatte heisst "Selbstbestimmungsrecht".

Dieses Recht wird im Falle von Sex mit Kindern, Inzucht, Sex mit Abhängigen, Kranken, etc., -kurz gesagt Sex mit denen, die sich nicht wehren können-, gerade denen zugesprochen, die man schützen muss, weil sie eben gerade nicht selbst entscheiden können.
Alles zum Vorteil von Abartigen, vorrangig aus der Schicht, die was zu sagen und entscheiden hat.
Denn der Grossteil der kleinen Bürger ist dagegen und braucht keine diesbezüglichen Regelungen, da er an sowas überhaupt nicht denkt.

Die sollen mal lieber über ein Selbstbestimmungsrecht für Kinder bezüglich Schule nachdenken, wenn man schon irgendwas machen will.

Wie heisst es so schön:
"Kinder die was woll´n - krieg´n was auf die Boll´n."
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Re: Ehe und Sexulaität Anfang 1900

Beitragvon Triniti » Sa 25. Okt 2014, 14:42

Also nach den Daten zu urteilen, könnte es sogar sein, daß die erste Tochter der Gabriels auch vom alten Gruber war. Hochzeit mit Gabriel, April 1914, Geburt der Tochter Jan. 1915, Hofüberschreibung März 1914 (Schweigegeld oder Mitgift?) Hat sie den Gabriel nur geheiratet, daß die Sache nicht auffliegt, so wie 1915 mit dem kleinen Josef? Die Ehe soll ja nicht glücklich gewesen sein, und das nach ein paar Monaten schon? Aber hat das auch mit dem Fall zu tun......? ich weiß es nicht.....
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Re: Ehe und Sexulaität Anfang 1900

Beitragvon Brandner » Sa 25. Okt 2014, 18:13

Triniti
da befindest du dich in guter Gesellschaft, wir wissen es auch nicht :lol27:
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Re: Ehe und Sexulaität Anfang 1900

Beitragvon pilvax » So 26. Okt 2014, 08:45

Triniti hat geschrieben:Also nach den Daten zu urteilen, könnte es sogar sein, daß die erste Tochter der Gabriels auch vom alten Gruber war. Hochzeit mit Gabriel, April 1914, Geburt der Tochter Jan. 1915, Hofüberschreibung März 1914 (Schweigegeld oder Mitgift?) Hat sie den Gabriel nur geheiratet, daß die Sache nicht auffliegt, so wie 1915 mit dem kleinen Josef? Die Ehe soll ja nicht glücklich gewesen sein, und das nach ein paar Monaten schon? Aber hat das auch mit dem Fall zu tun......? ich weiß es nicht.....


Zunächst einen recht herzlichen Willkommensgruß von mir.

Ich habe mich mit dieser Thematik auch schon auseinandergesetzt, denn es ist natürlich schon auffallend, dass jeweils nach der Geburt eines Kindes (Cilly, Josef), per Fuß eine Anzeige wegen Blutschande folgt.
Am 28. Mai 1915 wurden Viktoria Gabriel und Andreas Gruber wegen Blutschande verurteilt; rechnet man nun vom Zeitpunkt des Urteils pro Forma ca. 110 Tage zurück, das wäre der Zeitraum von der Anzeige bis zum Urteil im Jahre 1919, dann müsste die Anzeige im Januar/Februar 1915 erfolgt sein.
Trotz der ähnlichen Zeitabstände von Geburt und Anzeige der Jahre 1915 und1919 ist aus dem vorliegenden Material nicht zu schließen, dass es bei der Anzeige 1915 neben Blutschande auch um eine hintergründige Vaterschaftsfrage bezüglich der Cilly ging; ähnlich der beim Prozess 1919.

Hierzu einige Fakten:
Viktoria Gruber wird am 11. März 1914 das Anwesen Hinterkaifeck überschrieben. Zum selben Zeitpunkt wird zwischen Viktoria Gruber und Karl Gabriel jr. ein Ehe.-und Erbschaftsvertrag abgeschlossen.
Viktoria Gabriel und Karl Gabriel werden am 04. Apr. 1914 kirchlich getraut und etwa im April 1914 müsste nach biologischen Gesichtspunkten Cilly gezeugt worden sein, denn am 09. Jan. 1915 wurde sie geboren.

Diese Fakten widersprechen eigentlich der Annahme dass K. Gabriel jr. bei der Eheschließung ein Kuckuckskind untergeschoben worden wäre.
Die Hofübergabe und der Ehevertrag wurden nämlich bereits vor der Schwangerschaft/Empfängnis Viktoria Gabriels abgeschlossen.

pilvax
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Re: Ehe und Sexulaität Anfang 1900

Beitragvon Triniti » So 26. Okt 2014, 11:03

hallo Pilvax,

danke für Deinen Willkommensgruß !!!!!
Allerdings muss ich Dir widersprechen, was das Errechnen des Geburtstermins angeht. Eine Frau ist 9 vollendete Monate schwanger, um genauer zu sein 40 Wochen. wenn man von Anfang April ausgeht, wäre der korrekte Geburtstermin Ende Januar und nicht Anfang.Aber egal.

Lieben Gruß und schönes WE
Triniti
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Re: Ehe und Sexulaität Anfang 1900

Beitragvon pilvax » So 26. Okt 2014, 20:34

Triniti hat geschrieben:danke für Deinen Willkommensgruß !!!!!
Allerdings muss ich Dir widersprechen, was das Errechnen des Geburtstermins angeht. Eine Frau ist 9 vollendete Monate schwanger, um genauer zu sein 40 Wochen. wenn man von Anfang April ausgeht, wäre der korrekte Geburtstermin Ende Januar und nicht Anfang.Aber egal.


Deine Überlegung war doch, dass man den Karl Gabriel jr. die Einheirat in Hinterkaifeck angeboten haben könnte, um eine Schwangerschaft zu vertuschen, welche aus der Inzestbeziehung zwischen Andreas Gruber und Viktoria Gruber hervorgegangen wäre.

Als Fakt steht das Geburtsdatum der Cilly vom 09. Januar 1915 zur Verfügung.

Am 11. März 1914 wurde Viktoria das Anwesen Hinterkaifeck überschrieben und in diesem Zusammenhang wurde am gleichen Tag ein Ehe.-und Erbschaftsvertrag zwischen Viktoria Gabriel und Karl Gabriel jr. abgeschlossen.
Zu diesem Zeitpunkt hätten also nach deiner Theorie Viktoria Gruber bzw. ihre Eltern von einer Schwangerschaft bereits wissen müssen.

Rechnet man einfach nur vom 11. März 1914 den üblichen Schwangerschaftszeitraum zurück, dann hätte die Cilly bereits am 2. Dez. 1914 zur Welt kommen müssen. (Schwangerschaftsrechner, Internet)

Da aber bekanntermaßen damals eine Schwangerschaft erst nach einiger Zeit definitiv erkannt werden konnte, müsste man den Zeugungszeitpunkt noch dazu um diese Zeitspanne weiter zurücksetzen. Dem steht aber wiederum das tatsächliche Geburtsdatum der Cilly gegenüber.

PS: am 4. April war die kirchliche Trauung.

pilvax
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Re: Ehe und Sexulaität Anfang 1900

Beitragvon elfeee » So 26. Okt 2014, 21:07

@Triniti

da hat @Pilvax recht:
Berechnung des Datums der Zeugung auf Grundlage das Geburtstags: 9.1.1915

Dieses Kind wurde um den 17.4.1914 gezeugt - berechnet auf Grundlage der durchschnittlichen Schwangerschaftsdauer von 267 Tagen. Etwa 10% aller Babys "halten" sich an diesen Durchschnittswert. [6, 8, 4]

Mit hoher Wahrscheinlichkeit war die Empfängnis im Zeitraum zwischen dem 4.4.1914 und dem 1.5.1914. Das ist der Bereich, der auf alle Termingeburten zum obigen Geburtstag zutrifft. Etwa 90% aller Neugeborenen sind Termingeburten. [6, 4]
When was this child conceived? Conception date calculator has the answer.

War das Kind eine Frühgeburt, liegt die Empfängnis nach dem 1.5.1914. Frühgeborene sind Kinder, die vor Ende der 37. Schwangerschftswoche auf die Welt kommen - das betrifft ca. 6% bis 9% aller Neugeborenen. [5, 4]

War das Kind übertragen, liegt die Empfängnis vor dem 4.4.1914. Als übertragen wird eine Überschreiten des errechneten Geburtstermin um mehr als 14 Tage bezeichnet - das betrifft ca. 1% bis 3% aller Neugeborenen. [5, 4]


Quelle: Schwangerschaftsrechner

Demnach "könnte" die Cilli ein Produkt der Hochzeitsnacht gewesen sein :a_smile:

Auch noch ein herzliches Willkommen von mir :handshake:
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